
"So etwas habe ich noch nie erlebt." Theo Zwanziger war nach dem WM-Sieg der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft aus dem Häuschen. Nach dem Titelgewinn erwartet der DFB-Präsident nun einen weiteren Schub für den Frauenfußball in Deutschland.
Er hat sich mit Händen und Füßen gewehrt und schließlich doch nachgegeben. Nach dem 2:0-Triumph im WM-Finale von Schanghai gegen Brasilien musste Theo Zwanziger auf vielfachen Wunsch in die Kabine der deutschen Frauen kommen. "Man hat mich förmlich reingeschleppt. Das war eigentlich gegen meine Absicht", kommentierte Zwanziger die kurze Stippvisite.
Die Rückkehr der Weltmeisterinnen
ZDF Spezial am Montag, 19.25 - 20.15 Uhr
Vier Wochen mit der Mannschaft in China - das hat zusammengeschweißt. "Fantastisch, dieses Spannungserlebnis einmal mitzunehmen. Das war eine richtige Teamleistung, die mich unheimlich gepackt hat", räumt Zwanziger ein. Der 62-Jährige war kurzfristig für den erkrankten Engelbert Nelle als Delegationsleiter eingesprungen und somit beim Unternehmen Titelverteidigung von Anfang hautnah dabei.
Besonders imponiert haben Zwanziger die jungen Spielerinnen wie Annike Krahn und Simone Laudehr. "Unglaublich, die kleine Laudehr. Dieses Mädel, dünn wie ein Handtuch, läuft ununterbrochen von vorne nach hinten und hat Mut, als 21-Jährige mit den technisch so glänzenden Brasilianerinnen mitzuspielen und sich durchzusetzen." Ein Riesenlob hat Zwanziger auch für Krahn übrig: "Die steht da hinten wie ein Fels. Da sieht man, dass unsere Zukunft gesichert ist und neue Typen heranwachsen."
9,05 Millionen Zuschauer sahen den 2:0-Sieg der deutschen Fußballfrauen live im ZDF. Bei einem Marktanteil von 50,5 Prozent hatte jeder zweite Fernsehzuschauer in Deutschland das Finale eingeschaltet. In der Schlussphase verfolgten sogar 11,53 Millionen Fans, wie der neuerliche Gewinn des WM-Titels perfekt gemacht wurde.
Zwanziger ist nach der "großartigen Leistung" des Nationalteams überzeugt, dass der Frauenfußball in Deutschland einen weiteren Schub bekommt. Bereits der Titelgewinn vor vier Jahren in den USA hat einen Boom ausgelöst. "Unsere Zuwachsraten der vergangenen Jahre haben wir nur durch die Mädchen bekommen, während bei den Jungs die demografische Entwicklung zu einem gewissen Mannschaftssterben führt."

Knapp 15 Prozent der 6,5 Millionen Mitglieder des DFB sind weiblich. Ein Viertel davon spielt aktiv. Tendenz deutlich steigend. "Mit dem Mädchenfußball-Konzept, das wir in den vergangenen Jahren aufgebaut haben, ist eine breitere Basis in den Vereinen vorhanden", freut sich Zwanziger. "Und wenn man in der Basis ein Stück weiter ist und die großen Erfolge an der Spitze feiern kann, dann ist das ideal."
Der Frauenfußball ist nicht nur in Deutschland auf dem Vormarsch. "Das Niveau hat sich weltweit verbessert. Es ist ein sehr, sehr ansehnliches Spiel geworden, was sich inzwischen durch eine hohe technische Qualität auszeichnet", lobt Zwanziger. "Zwar nicht so hart, zweikampfbetont und schnell wie bei den Männern, aber es ist schon deutlich schneller geworden."
Was dem DFB-Boss besonders gut gefällt: "Im Frauenfußball fallen meistens viele Tore." Noch. Denn wenn die Konkurrenz weiter zusammenrückt, dürften wie bei den Männern auch taktische Zwänge künftig zunehmend eine Rolle spielen. Zwanziger: "Besonders in Europa hat Frauenfußball eine sehr gute Entwicklung genommen. In Asien ist mit Japan, China und Nordkorea eine starke Macht vorhanden. Afrika muss sich freilich steigern."
Immer wird Zwanziger die DFB-Frauen in Zukunft bei großen Turnieren nicht begleiten können, dafür ist sein Terminkalender zu prall gefüllt. "Deshalb wollen wir beim DFB einen Vizepräsidenten einführend, der nur für Frauenfußball zuständig ist." Wieder eine Verbesserung in den Strukturen des größten Sportfachverbandes der Welt, der 1970 die Förderung des Frauenfußballs als Aufgabe in seine Satzung aufgenommen hat.
Ein paar Jahre später entdeckte Zwanziger seine Leidenschaft für Frauenfußball. "Ich komme ja aus dem Fußballverband Rheinland, wo Frauenfußball schon immer eine große Rolle gespielt hat. Entsprechend früh wurde da das Interesse in mir geweckt." Kein Wunder, dass Zwanziger in China gerne als Delegationsleiter fungierte. "Ich wollte so der Mannschaft signalisieren, dass der DFB hinter ihr steht und die WM für uns eine hohe Wertigkeit besitzt." Das ist ihm gelungen.