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09. Februar 2010
 

Sport

 
Besucher eines Pferderennens in der chinesischen Stadt Wuhan. Quelle: imago
Besucher eines Pferderennens im chinesischen Wuhan.

Fußball - Wettskandal

Leidenschaft trifft
organisierte Kriminalität

Wettskandale in Asien an der Tagesordnung

von Stephan Schepers

Was in Europa die Fußball-Welt erschüttert, ist in Asien keine Seltenheit. Dort sind Wettskandale an der Tagesordnung. So deckten Fahnder in Taiwan jüngst im Umfeld der dortigen Profi-Baseball-Liga illegale Praktiken auf. Nur ein Beispiel von vielen.

 
 
 
 

14 Spieler und Funktionäre wurden in Taiwan vernommen, einige von ihnen zu Haftstrafen verurteilt. In China verhaftete die Polizei Anfang November 16 ehemalige Profifußballer, Trainer und Vertreter des chinesischen Fußball-Verbandes. Sie sollen seit 2006 mit illegalen Absprachen Ergebnisse in der chinesischen Liga beeinflusst haben, um Wetten platzieren zu können.

Einfache Grundregeln

"Die Grundregel lautete, dass eine Mannschaft ein Spiel mit einer vorgegebenen Tordifferenz verliert, wenn man den Torwart und zwei Abwehrspieler bezahlt. Zur Sicherheit wurde auch noch ein Stürmer bestochen", erklärt eine chinesische Zeitung. Im chinesischen Fußball-Verband werden deshalb Forderungen laut, man solle den Spielbetrieb in der ersten Liga für ein Jahr einstellen, um alle Wettaktivitäten zu beenden.

 

In Vietnam sitzen derzeit mehrere Spieler der Fußball-Nationalelf in Haft, weil sie gegen Bezahlung dafür sorgten, dass ihre Mannschaft mit nur einem Tor Unterschied gegen Burma bei den Südostasien-Spielen 2005 gewann. Sogar aus dem Umfeld des altehrwürdigen japanischen Nationalsports Sumo-Ringen werden immer wieder Vorwürfe wegen manipulierter Wettkämpfe laut. Zu Anklagen reichten die Beweise bisher jedoch nicht.

 

Lange Tradition

Dass sich ausgerechnet in Asien immer wieder Wettskandale ereignen, ist nicht verwunderlich. In wohl keiner anderen Region der Erde frönen die Menschen mit soviel Hingabe dem Glücksspiel und dem Wetten - und das schon seit Jahrtausenden. Experten sind sich einig, dass die erste Lotterie der Welt um 2300 v. Chr. in China durchgeführt wurde. Auch die Spielkarten sollen die Chinesen erfunden haben. In fast allen Reichs-Chroniken chinesischer Kaiser finden sich Eintragungen über Glücksspielaktivitäten der Untertanen.

 

Diese lange Tradition verhalf Wetten und Glücksspiel zu einer hohen gesellschaftlichen Akzeptanz in Ostasien. In China spielen Familien und Freunde Mahjong oder Poker um Geld, in Japan versucht der gestresste Angestellte nach Büroschluss noch sein Glück beim Kugelspiel Pachinko. Kontrollen der Wettaktivitäten gibt es zumindest in China kaum.

Wetten auf Grashüpfer-Kämpfe

Offiziell ist Glücksspiel im Reich der Mitte sogar verboten. Lediglich ein paar staatliche Lotterien und probeweise Pferdewetten auf Rennen in der zentralchinesischen Stadt Wuhan erlauben die Behörden. Tatsächlich kann man aber auf so gut wie alles wetten: Fußball, Tennis, Hunde-, Hahnen- und sogar Grashüpfer-Kämpfe. Fast alle diese Wettgeschäfte sind illegal und werden in Hinterzimmern von Mafia-Banden organisiert. Beschränkungen von Einsätzen gibt es nicht, oft können noch während eines laufenden Spiels Wetten abgegeben werden.

 

Der Kontakt zum Kunden ist oft professionell und bequem: Hunderte Wettbüros tummeln sich im Internet, ein Gebot kann per Telefon oder SMS abgegeben werden. Experten schätzen, dass allein mit Fußballwetten in China bis zu 100 Milliarden Euro im Jahr umgesetzt werden. Bei einem solchen Volumen und in Zeiten des Internets wird deutlich, warum die asiatische Wettmafia ein Auge auf den europäischen Fussball geworfen hat.

 

Stadien bleiben leer

Auf der Strecke bleibt nicht nur der sportliche Wettkampf. In China und Vietnam haben die Fußball-Ligen inzwischen einen so schlechten Ruf, das kaum noch ein Fan in die Stadien kommt.