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21. November 2009
 

Sport

 
Deutschlands Fußballfrauen feiern den WM-Titel
reuters

Frauenfußball-WM

Für den Titel ist kein Weg zu weit

Deutschland gewinnt WM-Pokal, Brasilien den Schönheitspreis

von Christian Hoffrichter, Schanghai

Die Brasilianerinnen tanzten und sangen vor dem Spiel, die deutschen Fußballerinnen dafür umso lauter und länger danach. Als Birgit Prinz von FIFA-Präsident Sepp Blatter den Weltmeisterpokal überreicht bekam, brachen im Schanghaier Hongkou-Stadion alle Dämme.

 
 
 
 

Es dauerte nach dem 2:0-Finalsieg eine halbe Ewigkeit, ehe das Objekt der Begierde wieder in deutscher Hand war. "In diesem Moment konnte ich es erst richtig fassen, dass wir wieder Weltmeister sind", gestand Birgit Prinz.

 

In Ekstase hüpften sie und ihre Mitspielerinnen im Konfettiregen auf dem Siegerpodium herum, ein Feuerwerk und der Queens-Evergreen "We are the champions" sorgten für absolute Gänsehaut-Stimmung.

 

Neid: "Enorme Leistung"

"Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Das war eine enorme Leistung, den Titel erfolgreich zu verteidigen", jubelte Bundestrainerin Silvia Neid. "Wir wollten mit aller Macht kein Gegentor kassieren. Dafür war uns kein Weg zu weit, auch wenn es manchmal bestimmt weh tat."

 

Die schwarz-rot-goldene Jubelfeier vor den zahlreichen deutschen Fans war zu einem gewichtigen Teil Nadine Angerer zu verdanken. Die Torhüterin muss in der 64. Minute Nerven wie Drahtseile gehabt haben, als keine Geringere als Weltfußballerin Marta nach einem Foul von Linda Bresonik an Cristiane zum Elfmeterpunkt schritt. "Im Viertelfinale gegen Australien hat sie einen Elfer in die linke Torhüter-Ecke geschossen. Da dachte ich mir, dass sie diesmal die rechte Seite auswählen würde. Und so war es dann ja auch", verriet Angerer.

 

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DFB-Damen sorgen für Top-Quote

9,05 Millionen Zuschauer sahen den 2:0-Sieg der deutschen Fußballfrauen live im ZDF. Bei einem Marktanteil von 50,5 Prozent hatte jeder zweite Fernsehzuschauer in Deutschland das Finale eingeschaltet. In der Schlussphase verfolgten sogar 11,53 Millionen Fans, wie der neuerliche Gewinn des WM-Titels perfekt gemacht wurde.

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Schub nach Angerers Elfer-Parade

Der deutschen Nummer eins fielen Zentnerlasten von den Schultern. Nicht nur, weil sie das Turnier ohne Gegentor überstanden hat. "Es hat schon ein gehöriger Druck auf mir gelastet. Es gab ja auch ein paar Leute, die hätten lieber Silke Rottenberg zwischen den Pfosten gesehen."

Angerer rechtfertigte das Vertrauen von Silvia Neid mehr als genug. Dazu brauchte es eigentlich keinen gehaltenen Strafstoß mehr. "Als der Elfmeter vorbeiging, hat Brasilien einen Knick bekommen und wir einen Schub", freute sich Annike Krahn. Für Ariane Hingst war "spätestens dann klar, dass wir das packen." Birgit Prinz, die in der 52. Minute nach Vorarbeit von Sandra Smisek die Führung besorgte hatte, war da etwas vorsichtiger. "Erst als die Nachspielzeit von vier Minuten angezeigt wusste ich, das war's."

 

Laudehrs kometenhafter Aufstieg

So gut wie fest stand der Sieg nach Simone Laudehrs 2:0 in der 86. Minute. Die 21-Jährige muss sich wie im falschen Film vorgekommen sein, als sie den Eckball von Renate Lingor per Kopf verwertete. "Da bin ich bei der WM dabei, stehe im Finale und mache dann auch noch ein Tor. Das ist der Hammer", strahlte Laudehr, die erst am 29. Juli gegen Dänemark ihr Debüt im Nationaldress gegeben hat.

 

So abgebrüht wie Laudehr präsentierte sich die komplette Mannschaft. Als vor dem Anpfiff die Brasilianerinnen im Kabinengang sangen und tanzten, würdigte niemand aus dem DFB-Lager dem Treiben der Südamerikanerinnen auch nur einen einzigen Blick. Auch das eine oder andere Mätzchen auf dem Platz ließ alle kalt. "Ich lass' mich doch nicht veräppeln. Ich habe einfach mein Spiel gemacht", betonte Annike Krahn.

 

Schönheitspreis

Auszuschalten waren die Brasilianerinnen auf dem Rasen freilich nie, dafür besitzen sie zu starke Einzelspielerinnen. Mit zahlreichen Finten und Dribblings begeisterten sie immer wieder das Publikum. Wenn ein Schönheitspreis verliehen worden wäre, dann hätte ihn die Selecao bekommen müssen. Doch davon kann man sich bekanntlich nichts kaufen.