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21. November 2009
 

Sport

 
Doping-Watch

Doping-Watch

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Ludger Beerbaum reitet Coupe de coeur. Quelle: dpa
Schnitt bei deutschen Reitern: Ludger Beerbaum darf vorerst nicht mehr für Deutschland reiten

Reistsport

Kader aufgelöst, Beerbaum suspendiert

Hartes Durchgreifen wegen Doping-Debatte

Mit drastischen Maßnahmen hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) auf die jüngsten Enthüllungen und Doping-Diskussionen reagiert. Mit sofortiger Wirkung wurden die Kader der Olympia-Disziplinen Springen, Dressur und Vielseitigkeit aufgelöst.

 
 
 
 

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Zitat

„Mit der Auflösung der Kader möchten wir einen wichtigen Schritt Richtung Glaubwürdigkeit unternehmen“

FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau

Zudem schlossen das FN-Präsidium und der Vorstand des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) am Donnerstag bei ihrer Außerordentlichen Sitzung in Warendorf Ludger Beerbaum bis auf weiteres aus der deutschen Nationenpreismannschaft aus.

Schritt Richtung Glaubwürdigkeit

Die Gremien reagierten damit auf Beerbaums umstrittene Aussagen am vergangenen Wochenende über den Umgang von Medikamenten bei seinen Pferden. Der viermalige Olympiasieger hatte unter anderem gesagt: "In der Vergangenheit hatte ich die Haltung: Erlaubt ist, was nicht gefunden wird."

"Mit der Auflösung der Kader möchten wir einen wichtigen Schritt Richtung Glaubwürdigkeit unternehmen", sagte FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau in einer Presseerklärung. Bevor ein Reiter wieder in den Kader aufgenommen werden könne, müsse er sich der Sonderkommission stellen und sich zu seiner Einstellung sowie seinem Verhalten als Spitzenreiter äußern, so der Verbandschef weiter.

Breido Graf zu Rantzau. Quelle: imago
imago
Breido Graf zu Rantzau

Reitsport unter Druck

Verbandsfunktionäre und Reiter würden von einer unabhängigen Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) untersucht. Diese Kommission erhalte den Auftrag, die Situation im Spitzenreitsport zu analysieren und dem Verband Empfehlungen zu geben, wie mit der aktuellen Manipulations- und Dopingproblematik im Pferdesport umzugehen sei. Die Empfehlungen würden auch Vorschläge zu möglichen Sanktionen von Funktionären und Reitern enthalten.

ARD und ZDF hatten den Reiterverband unter Druck gesetzt. Die Sender wollten die anstehenden Verhandlungen über die Verlängerung des TV-Vertrages aufgrund der aktuellen Enthüllungen vorerst aussetzen. "Reitsport-Übertragungen sind keine Selbstverständlichkeit", sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz am Mittwoch. "Wir warten, wie die FN mit diesen Dingen umgeht", so ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. "Es ist eindeutig, dass wir gerne Aufklärung hätten." Vor den Beerbaum-Äußerungen hatte unter anderem das Doping-Urteil für Olympia-Reiter Christian Ahlmann für Wirbel gesorgt.

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„Ich finde es grundsätzlich gut, denn das macht den Weg frei für einen Neuanfang“

Bundestrainer Otto Becker

Reaktionen positiv

Indes hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) die Maßnahmen des Reiterverbandes begrüßt. "Das ist ein radikaler Schnitt, mit dem die Reiterliche Vereinigung umfassende Aufklärung mit Hilfe unabhängiger Fachleute durchführen will", sagte DOSB- Generalsekretär Michael Vesper .

Auch Springreit-Bundestrainer Otto Becker sieht den Schritt der FN positiv: "Ich finde es grundsätzlich gut, denn das macht den Weg frei für einen Neuanfang", sagte Becker, der nach den Olympischen Spielen die Nationalmannschaft übernommen hatte. "Wir brauchen eine Bestandsaufnahme", erklärte der Coach.

 

Beerbaum hat Verständnis

Die Kaderauflösung bewertete auch der "Auslöser" Beerbaum als gute Maßnahme. "Ich sehe viel Positives an der Entscheidung. Endlich werden alle Beteiligten von einer unabhängigen Kommission befragt und beurteilt." Über seine Suspendierung für den Nationenpreis war Beerbaum jedoch etwas verärgert: "Da hätte ich mir eine andere Formulierung gewünscht. Vielleicht hätte man sagen können, dass meine Teilnahme ruht."

 

Infobox

Begriffserklärung:

Im Pferdesport wird zwischen Doping sowie zwei unterschiedlichen Klassen von verbotener Medikation unterscheiden. Pferde dürfen bei Krankheiten oder Verletzungen medizinisch behandelt werden, viele Mittel allerdings während eines Wettkampfes nicht mehr im Körper sein. Einige Substanzen können nach Beantragung auch zugelassen werden. Darüber hinaus gibt aber auch es eine Liste mit reinen Dopingmitteln, deren Auffinden zu längeren Sperren führt. Bei verbotener Medikation im Wettkampf sind die Strafen deutlich.