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21. November 2009
 

Sport

 
Nadine Angerer schreibt Autogramm. Quelle: ap
Nadine Angerer hatte für Autogramme nur wenig Zeit.

Frauenfußball-WM in China

Wenn Pipi-machen
zur Tortur wird

DFB-Frauen nach Viertelfinal-Sieg zur Dopingkontrolle

von Christian Hoffrichter

Beim 3:0-Sieg der DFB-Frauen hat Nadine Angerer erst die Nordkoreanerinnen genervt, dann hat sie die Journalisten auf eine harte Probe gestellt. Die Dopingkontrolle war schuld, dass die Torfrau mit zwei Stunden Verspätung zum Interview erschien.

 
 
 
 

Der deutsche Mannschaftsbus war längst abgefahren, sogar das Sicherheitspersonal hatte seinen Dienst schon eingestellt, als Nadine Angerer endlich aus dem Kabinentrakt des Sports-Center-Stadions im chinesischen Wuhan trat. Nach dem 3:0-Erfolg im WM-Viertelfinale über Nordkorea lief es im Doping-Kontrollraum bei der 28-Jährigen wörtlich genommen nicht. Die vorangegangenen Strapazen nämlich machten das Wasserlassen zum Geduldsspiel - nichts Unübliches im Hochleistungssport.

Zitat

„Wir haben sehr gutes Mittelfeld-Pressing gespielt und ständig Überzahl-Situationen geschaffen.“

Bundestrainerin Silvia Neid

Tore zum richtigen Zeitpunkt

So viel Zeit wie nach der Partie hatte sich Angerer auf dem Rasen nicht nehmen können, verlangten die Koreanerinnen ihr doch einiges ab. Ganz besonders bei der Weltklasse-Parade gegen Kum Suk Ri in der 66. Minute, die hinterher getrost als Schlüsselszene betrachtet werden kann. Denn statt 1:1 hieß es keine 60 Sekunden später durch Renate Lingors Schlenzer ins lange Eck 2:0 für Deutschland. Lingors Treffer war eine Kopie des Führungstores durch Kerstin Garefrekes kurz vor dem Pausenpfiff - beide mustergültig vorbereitet von Sandra Smisek. "Wir haben die Tore zum richtigen Zeitpunkt gemacht", analysierte Garefrekes treffend.

 

Auf der Tribüne vergoss Mutter Angerer Freudentränen, die FIFA zeichnete ihre Tochter gar als beste Spielerin des Tages aus. Doch Nadine Angerer selbst wollte sich nicht als Matchwinnerin sehen. "So viel hatte ich gar nicht zu tun. Alle Mannschaftsteile haben gut zusammengearbeitet. Wir haben einen wichtigen Schritt in Richtung Finale gemacht."

 

Wachablösung im Tor?

Bei aller Bescheidenheit - Angerer darf sich Hoffnung machen, dauerhaft Ex-Stammkeeperin Silke Rottenberg abzulösen, die angeschlagen in die WM-Vorbereitung gegangen ist. "Keine Ahnung. Damit beschäftige ich mich derzeit nicht," denkt die neue Nummer eins nicht über das WM-Turnier hinaus.

 
Torhütern Nadine Angerer (l) fängt den Ball spektakulär im Flug. Quelle: ap
ap
Nadine Angerer mit einer spektakulären Flugeinlage

 

Angerers Nahziel bis zum Endspielort Shanghai ist klar definiert: Den eigenen Kasten noch möglichst lange sauber halten. Dass die Koreanerinnen ihr nicht das erste Gegentor der WM eingeschenkt haben, hat auch etwas mit der Abschlussschwäche des Geheimfavoriten zu tun. Zu leichtfertig haben sie ihre Möglichkeiten vergeben. Kein Grund für Nordkoreas Trainer Kwan Min Kim zu jammern. "Es geht hier nicht um Glück oder Pech", sind für ihn stattdessen klare physische Vorteile auf deutscher Seite für das Ergebnis ausschlaggebend.

 

Kampfstarke Gegnerinnen

Dass die Koreanerinnen in den Zweikämpfen keine Kinder von Traurigkeit gewesen sind, haben die Weltmeisterinnen von 2003 mehrfach zu spüren bekommen. Aber geschickt haben die DFB-Frauen ihren Kontrahentinnen den Schneid abgekauft.

"Wir haben sehr gutes Mittelfeld-Pressing gespielt und ständig Überzahl-Situationen geschaffen. Nur wenn wir zwischendurch mal nachgelassen haben, sind unsere Gegnerinnen ins Spiel gekommen", zeigte sich Bundestrainerin Silvia Neid rundum zufrieden. "Wir haben bei diesem Turnier noch kein Tor bekommen. Das macht uns für die kommenden Aufgaben sehr selbstbewusst."

Ergebnis lässt hoffen

Große Zuversicht versprüht auch DFB-Boss Theo Zwanziger. "Ich bin sehr beeindruckt. Wir sind unheimlich kompakt aufgetreten. Ich habe richtig den Willen und das Können gespürt." Während Zwanziger das Team bereits in Titelform wähnt, wird Neid in den kommenden Tagen auch Defizite ansprechen müssen. Das 3:0 darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich ihr Team zu viele leichte Ballverluste geleistet hatte und dadurch immer wieder in Bedrängnis geriet. Fehler, die hochkarätigere Gegner sicher bestrafen werden. Womöglich schon im Halbfinale.