Peter Danckert, Sportausschuss-Vorsitzender des Bundestages, hat gegenüber dem ZDF das Verhalten von Florian Busch kritisiert. Zudem verteidigte der SPD-Politiker den Stopp der Fördermittel-Zahlungen an den DEB als logische Konsequenz der Ereignisse.
"Ein Profisportler muss einfach wissen, dass er von morgens bis abends getestet werden kann und dass eine Verweigerung eine Sperre zur Folge hat", so Danckert: "Der Code der nationalen und der Welt-Anti-Doping-Agentur (NADA/WADA) sind identisch. Beide sehen bei einer positiven oder verweigerten Probe eine zweijährige Sperre vor", führte der Politiker aus. Wenn dann jemand sage, er lasse sich nicht testen, gebe es dafür eben ganz klare Sanktionen.
Zur Streichung der Fördermittel sagte Danckert, es gebe auch hier klare Richtlinien, die die Einhaltung der WADA- und NADA-Codes vorschrieben: "Wenn da ein Verstoß des geförderten Verbandes vorliegt, beginnt das Verfahren zur Rückforderung von Fördermitteln. Uns geht es einfach darum, dass die Verbände die Regeln einhalten", so Danckert weiter.
Busch hatte am 6. März eine unangemeldete Dopingkontrolle zunächst verweigert und fünf Stunden später nachgeholt. Die Probe war negativ. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) hatte daraufhin eine öffentliche Verwarnung ausgesprochen und eine Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro sowie 56 Stunden gemeinnützige Arbeit verhängt. Gemäß dem NADA-Code wäre eine Zweijahres-Sperre auszusprechen gewesen.
Der DEB kritisierte die Vorgehensweise der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) scharf. "Die NADA hat falsche Informationen weitergegeben", sagte DEB-Vize-Präsident Uwe Harnos und bezog sich damit auf die Aussage der WADA, der DEB habe die Kommunikation abgebrochen. Alle relevanten Informationen seien der NADA mitgeteilt worden. "Es wird ganz offensichtlich ausgenutzt, dass wir jetzt weit weg in Kanada sind", sagte der DEB-Vize weiter.

Die WADA prüft laut NADA-Chef Christoph Niessen derzeit die Möglichkeit, beim Internationalen Sportgerichtshof CAS gegen das Urteil vorzugehen. Bislang sei weiter nicht klar, ob der DEB den NADA-Code anerkannt hat oder nicht. Zugleich monierte Niessen vor dem Ausschuss erneut, dass der DEB neun seiner bei der WM im Einsatz befindlichen Nationalspieler teilweise seit zweieinhalb Jahren nicht dem Trainingskontrollsystem unterworfen hat. Die DEB-Argumentation, diese Aktiven seien zum Teil im Ausland tätig, sei inakzeptabel: "Die NADA kontrolliert doch auch Basketballer Dirk Nowitzki in Dallas."
Zuvor war in Berlin durch das Bundesinnenministerium mit sofortiger Wirkung die Auszahlung von Fördergeldern in Höhe von 325.000 Euro an den DEB gestoppt worden. Darüberhinaus muss sich der Verband als Folge der verweigerten Dopingprobe des 23-Jährigen und deren nachsichtiger Sanktionierung auf Rückforderungen von öffentlichen Mitteln in Höhe von 125.000 Euro einstellen. Das BMI hat bereits am 18. April beim zuständigen Bundesverwaltungsamt einen entsprechenden Antrag zur Prüfung gestellt.
"Wir versuchen aus dem Fall die notwendigen Konsequenzen zu ziehen", sagte Bergner. Der DEB wird jährlich mit 600.000 Euro gefördert. Davon fließen 150.000 Euro ins Bundesleistungszentrum Füssen, die vom Fördermittel-Stopp ausgenommen sind. Der Verband war im Sportausschuss nicht selbst vertreten. Das DEB-Präsidium hatte sich kurzfristig entschieden, keines seiner Mitglieder aus Halifax von der derzeit in Kanada laufenden WM zur Sportausschuss-Sitzung einfliegen zu lassen.
Das sei mit Michael Vesper, dem Geschäftsführer des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), so abgesprochen gewesen, erklärte DEB-Vize Harnos: "Wir haben angeboten hinzufliegen. Das hätte den gemeinnützigen Verband DEB 6000 Euro gekostet. Herr Vesper hat gesagt, es sei in Ordnung, wenn wir nicht kommen." Außerdem, so Harnos, sei der DEB zu der Sitzung nicht eingeladen gewesen. Den Stopp der Fördergelder will der Verband nicht akzeptieren. "Sobald wir den Bescheid mit der Begründung bekommen haben, werden wir uns juristisch damit auseinandersetzen", kündigte Harnos an: "Wir werden das nicht hinnehmen, weil wir es nicht für gerechtfertigt halten."
Immerhin darf das deutsche Eishockey-Team Florian Busch bei der WM weiter einsetzen. Das teilte der Internationale Eishockey-Verband (IIHF) mit. Die WADA hatte gefordert, Busch wegen der verweigerten Dopingkontrolle zu sperren.Der IIHF bestätigte Buschs Spielberechtigung, die er bereits vor WM-Beginn erteilt hatte. Damit kann der Berliner weiter eingesetzt werden. Der Weltverband begründete die Entscheidung damit, dass gegen das milde Urteil des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) noch von keiner Institution offiziell Rechtsmittel eingelegt worden sei.