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21. November 2009
 

Sport

 
Ariane Hingst (l) und Birgit Prinz feiern den Sieg gegen Norwegen. Quelle: ap
Am Ziel: Ariane Hingst und Birgit Prinz (rechts) jubeln über den Finaleinzug.

Frauenfußball-WM

"Wir wollen den Pott - komme was wolle"

Nach Finaleinzug grenzenlose Euphorie bei den DFB-Damen

von Christian Hoffrichter

Mit unbändigem Willen haben sich die deutschen Fußballerinnen bei der WM in China ins Finale gekämpft. Sinnbild des 3:0-Sieges über Mitfavorit Norwegen war die Leistung von Birgit Prinz, die das norwegische Eigentor zur deutschen Führung erzwang.

 
 
 
 

Führungstore kurz vor der Pause sind gut für die eigene Psyche und schlecht für die des Gegners. Darauf scheinen die Frauen des Deutschen-Fußball-Bundes (DFB) derzeit zu bauen. Denn wie schon beim 3:0-Viertelfinal-Erfolg gegen Nordkorea (Garefrekes/44.) gingen sie auch im Halbfinale mit einem frischen Glücksgefühl in die Pause. Und legten so den Grundstein für das Erreichen des Finales in Schanghai am Sonntag (14 Uhr/live im ZDF).

Zitat

„Dieses Tor schreibe ich ganz klar Birgit zu. Mit purem Willen hat sie den Ball vor das Tor gebrettert.“

Silvia Neid

Ein Tor der Willenskraft

Dass sich die Norwegerin Trine Ronning in der 42. Minute den Ball ins eigene Netz legte, war Birgit Prinz zu verdanken. Mit einer scharfen Hereingabe von der Grundlinie spekulierte sie förmlich auf den Fauxpas in der gegnerischen Defensive. "Dieses Tor schreibe ich ganz klar Birgit zu. Mit purem Willen hat sie den Ball vor das Tor gebrettert", stellte Bundestrainerin Silvia Neid fest.

 

Auch an der Vorentscheidung war Prinz beteiligt, die vor 53.819 Zuschauern in Tianjin ihr bisher bestes Spiel bei der WM in China bestritt. Ihre Vorarbeit verwertete Rechtsverteidigerin Kerstin Stegemann in bester Stürmer-Manier zum 2:0 (72.).

 

Norwegerinnen völlig abgemeldet

"Ich freue mich riesig über dieses Tor, vor allem weil wir vor dem Spiel noch Scherze darüber gemacht haben. Dass ich einen Treffer erzielen würde, damit habe ich nicht wirklich gerechnet. Das war ein denkbar guter Zeitpunkt", sagte Stegemann: "Wir haben so lange dafür trainiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass man als Weltmeister wieder ins Finale kommt ist ja nicht so riesig. Die anderen Teams wollen uns alle stürzen."

Martina Müller legt zwei Finger über ihr Auge. Quelle: ap
ap
Martina Müller, die offenbar weiß, dass man mit dem Zweiten besser sieht.

Norwegen versuchte vergeblich, den deutschen Express zu stoppen. Versprühte der Weltmeister von 1995 in der ersten Hälfte noch Torgefahr, so baute er nach der Pause in jeder Hinsicht merklich ab. Die gefürchtete Stürmerin Ragnhild Gulbrandsen machte keine Stich. Stehend K.o. mussten die Skandinavierinnen noch das 0:3 durch die eingewechselte Martina Müller (75.) hinnehmen, die zuvor Siri Nordby das Leder abgeluchst hatte.

Angerers tolle Serie

Norwegens Coach Bjarne Berntsen suchte nach Erklärungen für den Einbruch: "Das ist schwer zu sagen. Meine Spielerinnen wurden auf einmal müde, die Konzentration ließ nach und dann passieren eben Fehler, die ein Team wie Deutschland knallhart bestraft."

 

Es muss zum Verzweifeln sein, in diesen Tagen gegen die DFB-Frauen zu spielen. Das Tor des Titelverteidigers scheint wie zugenagelt. Noch kein einziges Mal musste Nadine Angerer bei diesem Turnier hinter sich greifen. Der Rekord von fünf WM-Spielen ohne Gegentor lässt Angerer allerdings kalt. "Ich werde zwar ständig daran erinnert, denke da aber ehrlich gar nicht so viel drüber nach. Wir spielen momentan einfach gut in der Abwehr. Das macht die Arbeit für mich natürlich einfacher."

Zitat

„Das war eine Super-Leistung. Mich freut am meisten, dass wir wieder zu Null gespielt haben.“

Silvia Neid

Der "Pott" soll mit nach Deutschland

Vor der Weltmeisterschaft hatte sich Neid vier Etappenziele gesetzt: "Wir wollten das Auftaktspiel gewinnen, uns für Olympia qualifizieren und ins Finale kommen. Jetzt sind drei Ziele erreicht. Es fehlt nur noch der Titel." Nach dem Triumph über Norwegen platzte die 43-Jährige fast vor Stolz über die Leistung ihres Teams. "Das war eine Super-Leistung. Mich freut am meisten, dass wir wieder zu Null gespielt haben."

 

Die Vorfreude auf das Endspiel im deutschen Lager ist riesengroß. "Wir wollen den Pott holen - komme was wolle. Wieder zu Null zu spielen, wäre das geilste überhaupt. Andererseits ist es auch egal, wenn wir 4:3 gewinnen. Hauptsache wir holen den Pott", kennt Innenverteidigerin Ariane Hingst nur ein Ziel. So wie Birgit Prinz: "Es ist ein klasse Gefühl, wieder im Finale zu stehen. Das kann man nicht beschreiben, das muss man selbst erleben."

 

DFB-Boss Theo Zwanziger wagt noch keine Prognose über den Ausgang des Finales: "Was in den 90 oder vielleicht 120 Minuten passieren wird, das wissen wir nicht. Es ist großartig, dass die Mannschaft überhaupt so weit gekommen ist."